Er sagte nicht, dass er als Doppelnullagent für den MI6 tätig gewesen sei, doch es war so. Oder musste so gewesen sein, denn seine Ausrüstung ließ keinen anderen Schluss zu und war uns allen somit eine riesengroße Hilfe.
Der Smut bewahrte sein teures i-phone bevorzugt in der Brusttasche eines seiner leichten Hawaiihemden auf, die er immer trug, und so musste es zwangsläufig irgendwann einmal dazu kommen, was oft passiert, wenn man spontan nach dem dritten Weinglas nochmal schnell auf dem Vordeck nach dem Rechten sehen möchte oder am Anker etwas richten will: Das Mobiltelefon rutschte beim Bücken raus und fiel ins Wasser des Hafenbeckens, vier Meter Tiefe! Tauchen am Morgen, wenn es wieder hell sein würde, dürfte kein Problem sein, müsste gehen. Würde, dürfte, müsste – gleich drei Konjunktive!
Tatsächlich war das Hafenwasser hier anders als sonst derart klar, dass wir das „Smutphone“ auf dem Grund liegen sahen, gute Sicht! Der erfahrenste Taucher an Bord, allerdings war das mit der Erfahrung Jahrzehnte her, erklärte sich bereit. Zunächst bestand die Schwierigkeit darin hinunterzukommen. Wir präparierten den Heckanker mit fünf Meter Kettenvorlauf und konstruierten so eine Art Vertikalstange; Stange? Naja! Aber man müsste sich daran hinunterhangeln können. Versuch eins scheiterte!
Nun ist es ja so, dass es in diesen Momenten stets von Experten nur so wimmelt, die in einen Wettbewerb um die beste Lösung eintreten. Hafenkino nennt man das! Der freundliche ältere Gentleman vom britischen Nachbarboot aus Coves bot Unterstützung an und stand mit einem Mal samt professioneller Angelausrüstung auf unserem Bug. Kein Haken oder Blinker für den Fischfang, sondern einfach ein starker Magnet sollte es richten. Das Handy biss tatsächlich an, verlor aber beim Einholen der Angelschnur den Halt, wohl wegen zu viel Plastikumhüllung des Telefons. Und dann dockte der Magnet zum allgemeinen Ärger kackfrech am Anker an!
Ein Crewmitglied meinte, man müsste jetzt so einen Apfelpflücker dabeihaben, wie sie daheim in jedem zweiten Obstgarten zu finden seien. Aber wenn du so etwas auf See mit dir führst, halten dich möglicherweise alle Kino-Besucher für bescheuert. Unser englischer Geheimagent griff zur nächst stärkeren Waffe, mit dem Q sein Schiff offenbar vor der Abreise ausgestattet haben musste: Eine Art Tauchunterstützung, die aussah wie der Lenker eines Motorrollers – mit Akku-Motor –, der den Tauchenden durchs Wasser zog, also auch schneller nach unten. Seine Frau, bestimmt über 70, aber ein nur wenig gealtertes ehemaliges Bond-Girl, reichte ihm sein Spielzeug ins Wasser, das ich später als Unterwasser-Scooter identifizierte. Sofort zog es ihn oder saugte es unseren 007 auf den Grund des Hafenbeckens. Eine saubere Bergung in James-Bond-Manier! Als der glückliche Smutje sein Apfelgerät wieder in den Händen hielt, funktionierte es sogar noch. Wie gut, dass er vor unserem Törn extra noch die water-proof-App auf sein Mobiltelefon geladen hatte!
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