Der Wind hat gedreht und zugekommen. Wir kommen von Marseille, haben Chateau d’If gerundet, machen kurz einen Zwischenstopp in La Ciotat. Dort gibt es ein Parkhaus für Motorboote, riesige russische Motor-Yachten werden repariert und man kann dem Weltrekord-Trimaran begegnen und ihn bewundern, der die Welt in vierzig Tagen umrundet. Dann weiter westwärts nähern wir uns mit Geschwindigkeiten von zum Teil über acht Knoten den Gold-Inseln. "Das Meer war von einem unglaublichen Blau, so wie man es sonst nur auf Ansichtskarten sieht. Am Horizont, inmitten der schillernden Meeresoberfläche, lag träumerisch eine Insel mit saftig grünen Hügeln und roten und gelben Felsen."
Die Iles d'Hyeres oder auch Iles d'Or genannt sind ein autofreies Paradies mit Palmen und Sandstränden vor der französischen Cote Provence. Georges Simenon verfasste hier mehrere seiner Maigret-Krimis und ließ seinen Inspektor sogar auf Porquerolles ermitteln. "Kennen Sie die Insel Porquerolles? fragte er und zündete endlich seine Pfeife an. Es soll dort sehr schön sein, genauso schön wie auf Capri oder auf den griechischen Inseln", schreibt er 1949. "Die Kaps, die Buchten, die im Grün versteckten ehemaligen Festungen und – genau in der Mitte der Insel und wie aus einem Kinderbaukasten zusammengestellt – eine kleine Anzahl heller Häuschen und ein weißer Kirchturm."
Wir ziehen auf einen wunderbaren halbbewaldeten Strand zu, wo schon einige andere Ankerlieger versammelt sind, als es plötzlich einen Ruck tut und wir ausgebremst werden. Wir sind aufgelaufen – Motor aus, Tauchgang. Klares Wasser, sandiger Boden und ein einziger Hucken, auf dem stehen wir. Vom riesigen Zweimaster neben uns, der USA-beflaggt ist, kommt ein Kajak rüber gepaddelt. „Can you help us? We have a problem.“ – „No, you just have a situation“, sagt der freundliche Herr, nimmt unseren Heckanker und wirft ihn dreißig Meter weiter runter. Daran könnten wir uns jetzt wie Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Schlamassel ziehen – es klappt!