März 2026: Von Ibiza bis Palma

Veröffentlicht am 2. März 2026 um 18:47

Endlich an Bord entscheiden wir uns geschwind abzulegen. Kurs Südwest Richtung Formentera. Kannst du das Steuer nicht einmal ruhig halten, du eierst ja herum, dass einem schwindelig wird. Der Skipper, sonst die Ruhe selbst, faucht den Mann am Steuer an. Der entschuldigt sich, gelobt sich mehr konzentrieren zu wollen und fährt so zickzack-mäßig weiter wie zuvor. Da muss der Käpt’n wohl mal selber ran. Und siehe da: Der eiert genauso rum. Irgendwas stimmt nicht. Wir werfen Anker vor der Insel Espalmador und nehmen ein erfrischendes Bad. Dabei Tauchen wir den Rumpf ab - surprise: Das Ruder wird mit zwei Spanngurten zusammengehalten.

Wir kontaktieren den Vercharterer. Der sagt, er könne sich das nicht erklären, und wir wissen, dass er lügt. Morgen käme er nach Sant Antoni an der Westseite von Ibiza, ob wir uns da treffen könnten? Können wir. Wir tafeln vorzüglich in Salina auf Formentera, schlafen sicher im Hafen und kreuzen tags drauf Kurs Nordwest gegenan bei hohem Seegang – mal sieht man Ibizzas Küste, dann wieder nur einen Wasserberg. Der Mechaniker stellt fest, dass ein Stück vom Ruder fehlt. Ein Ersatzboot hat er nicht. Weiterfahrt auf eigene Faust oder Abbruch? Helden wie wir ziehen weiter: Portinatx mit Lutschestangenleuchtturm, S.Vicent, Andratx, Palma.

Der Rest unseres ersten Balerarentörns hatte es noch in sich: Besoffene Engländer in Sant Antoni di Portmany an Ibizas Westküste, der Ort ist wohl für die Briten am besten erreichbar und fest in ihrer Hand. Unterhalb des besagten Lutschestangenleuchtturms Moscarter, so genannt, weil sich eine schwarze Schlange rund um das Seezeichen nach oben schlängelt, ankerten wir und verloren unseren Kugelfender. Mit Beiboot wurde eine Suchaktion gestartet, in einer Höhle wurden die Bumsbeuteljäger fündig. In der Cala de Sant Vincent hätte Reiner die Yacht beinahe in Brand gesetzt, als sein Hawaiihemd beim Kochen Feuer fing und er brennend über Bord sprang.

Von dort sprangen wir nachts um 3 Uhr ab nach Mallorca, vierzehn Stunden bis Port d‘Andratx mit seinem Düsseldorfer Hügel. Das war auch so ein Höllenritt, der allerdings mit Paella satt in der Cantina mehr als belohnt wurde. Das Finale rund um die Badeorte von Malloras Südwesten war dann nur noch ein Spaziergang, die Einfahrt in den Hafen von Palma allerdings abenteuerlich, weil wir plötzlich neben einem Zwölf-Stockwerke-Kreuzfahrtschiff standen, die Übergabe der Yacht an die Verbrecher-Vercharterer fast ein Spießrutenlauf. Verständlicherweise wollten die verhindern, dass wir der Nachfolge-Crew einen Erfahrungsbericht, etwa über das rasierte Ruderblatt gaben. Das taten wir natürlich trotzdem.

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