Es ist der für Seefahrer der Antike unergründliche Übergang vom Mare Nostrum in die Weiten des Atlantiks. Weil man sich nicht vorstellen mochte, wohin es dahinter weitergeht, ob man eventuell von dieser Erdscheibe herunterfallen könnte, imaginierte man dieses „Tor“ mit den Säulen des Herakles und stellte sich eine enge Durchfahrt vor, die es so gar nicht gibt. Vor sechs Millionen Jahren schloss sich die Meerenge, wodurch das Mittelmeer zu einem gewaltigen Salzsee austrocknete. Durch allmähliche Absenkung dieser Landbrücke flossen schließlich rund hundert Millionen Kubikmeter Atlantikwasser pro Sekunde ein. Der Wasserspiegel im Mittelmeerbecken stieg daraufhin täglich um mehr als zehn Meter.
„Viele werden hindurchfahren und die Erkenntnisse der Wissenschaft werden sich vermehren“, meinte der britische Renaissancephilosoph Francis Bacon. Will man einer nicht antiken Überlieferung folgen, so war es Herakles, der am Ausgang des Mittelmeeres die Inschrift „Nicht mehr weiter“ anbrachte, um damit das Ende der (damals bekannten) Welt zu markieren. Die lateinische Version dieses Spruches lautet „Non plus ultra“. Nach der Entdeckung Amerikas und dem Herrschaftsantritt Karls V. wurde diese vermeintliche Weisheit (die zugleich eine Warnung sein sollte, nicht über das Ziel hinauszuschießen) in „Plus Ultra“ abgeändert und hielt somit als Devise zusammen mit den beiden Säulen Eingang ins spanische Wappen.